DER ULTIMATIVE LEITFADEN ZU FUKUSA
DEM GRÖSSEREN, ABER KLEINEREN GESCHWISTER DES FUROSHIKI

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14‑11‑2022

10 Minuten

Geschichte und Kultur

Fukusa (袱紗) sind Stofftücher, die zur Reinigung von Utensilien während japanischer Teezeremonien (帛紗) oder zum Verpacken von Geschenken (袱紗) verwendet werden. Abhängig von diesen Anlässen wird das Wort Fukusa unterschiedlich geschrieben (帛紗 oder 服紗), hat aber weiterhin die gleiche Aussprache. Das Wort Fukusa besteht aus den Schriftzeichen ‘fuku’ (袱, Stoffhülle) und ‘sa’ (紗, Seidengaze) und leitet sich vom Verb ‘fukusameru’ ab, das mit ‘weich und sanft zu wickeln’ übersetzt werden kann.

Fukusa ähneln Furoshiki , obwohl letztere typischerweise größer sind und in weniger formellen Alltagssituationen genutzt werden, während Fukusa in formellen Zeremonien Verwendung finden.

GESCHICHTE DER FUKUSA

Das Fukusa fand seinen Ursprung als Überwurf, der über Holzkisten drapiert wurde, die wertvolle Gegenstände enthielten, um sie vor Staub zu schützen. Später kam das Stofftuch beim Transport von Geschenken zum Einsatz, um sie unterwegs vor Schmutz und Sonnenschäden zu bewahren.

Während der Edo 江戸時代-Periode (1603 bis 1868) wurden die Stoffverpackungen dann für formellere Geschenke in Verbindung mit schwarz lackierten Schachteln oder Tabletts (Hirobuta) bei zeremoniellen Veranstaltungen eingesetzt und erhielten den Namen Fukusa. Geschenke (auch monetärer Art) wurden auf das Tablett gelegt und mit einem Seidentuch bedeckt. Die Seidentücher waren meist mit Quasten (Kamebusa) an allen vier Ecken versetzt. Auf diese Weise konnte die Geschenkhülle an den Kamebusa (schildkrötenförmige Knoten) abgehoben werden, ohne den Stoff zu berühren. Nachdem die extravagant verzierten Stoffabdeckungen vom Empfänger bewundert worden waren, wurden die Fukusa (zusammen mit der Schachtel oder dem Tablett) normalerweise an die Schenker zurückgegeben.

Lackiertes Tablett für Fukusa - Hirobuta

In der späten Edo 江戸時代-Periode (1603 bis 1867) hatte sich die Praxis des Schenkens mit Fukusa auch auf Kaufleute und wohlhabende Bauern ausgeweitet. Obwohl Textilien seit langem ein fester Bestandteil der japanischen Kunst waren, ermöglichte der steigende Wohlstand (und ihr damit hohes verfügbares Einkommen) der Kaufmannsklasse, die Oberschicht nachzuahmen. Eine Reihe bedeutender Textilkünstler wurde beauftragt, Textilien zu entwerfen, zu färben und zu besticken – darunter Fukusa. Jede Arbeit war eine originelle Kreation, nicht nur, da sie den Saum der Geschenktücher mit Familienwappen versahen.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts spiegelte die Kunst der Fukusa die aristokratische Minderheit Japans (die Daimyo und Samurai) wider. Die Designs auf den Stoffen enthielten sehr subtile kulturelle Referenzen, die nur von den gebildeten Mitgliedern der Gesellschaft erkannt wurden. Die Mitglieder dieser Klassen lebten normalerweise in den Städten Edo (heute Tokio) und Kyoto sowie in den umliegenden Gebieten.

Zu den heute noch umgesetzten traditionellen Verwendungen der Fukusa gehört ein Brauch, der Yuino genannt wird. Es handelt sich dabei um eine japanische Tradition, bei der die Familie des Bräutigams der Familie der Braut Geschenke macht, um die Verlobung offiziell zu bestätigen, und bei der die Vereinigung der beiden Familien durch die Ehe mit einem zeremoniellen Fest gefeiert wird. Eine weitere traditionelle und heute noch genutzte Verwendung ist die Verhüllung der kaiserlichen Reskripte (nach Unterzeichnung durch den Kaiser) in ein lila Fukusa, nachdem das Parlament aufgelöst wurde. Fukusa werden heute jedoch nicht mehr für allgemeine Geschenke verwendet, sondern hauptsächlich zum Verpacken von Geldgeschenken. Damit zeigen die Geber Höflichkeit und Fürsorge bei der Übergabe von Glückwünschen und Beileidsbekundungen.

STOFFE DIE FÜR FUKUSA VERWENDUNG FINDEN

Die meisten (traditionellen) Fukusa bestehen aus reiner Seide (feine Seide, Kreppseide oder Seidensatin), die aus einem einlagigen oder doppellagigen Stoff angefertigt werden. Sie sind entweder einfarbig oder werden mit Stickereien in glückverheißenden Mustern (gute Omen) verziert. Heutzutage gibt es Kinpū Fukusa auch aus Viskose (Kunstseide) und Polyester.

Muster wurden gestickt, gefärbt (mit Yuzen und anderen Techniken), oder mit der Nishijin-Webtechnik hergestellt, bei der Fäden in verschiedenen Farben eingesetzt wurden, um ein Muster ähnlich dem Schussbrokat (Saga Nishiki) zu bilden. Saga Nishiki ist eine einzigartige Form eines Brokats und für seine bunten Fäden berühmt. Es hat seinen Ursprung in der Präfektur Saga (Japan) und wurde am Ende der Edo-Periode von Kashima Nabeshima, dem Feudalherr (Daimyō) von Saga, geschaffen. Als Kettfaden wird japanisches Papier (welches entweder mit Gold, Silber oder Lack beschichtet ist) verwendet, während der Schussfaden ein gefärbter Seidenfaden ist. Da diese Technik sehr aufwendig ist, können an einem Tag nur wenige Zentimeter produziert werden. Daher sind Fukusa, die aus diesem Stoff gefertigt werden, sehr wertvoll.

TRADITIONELLE DESIGNS DER FUKUSA

Ein Fukusa wurde als wichtiger Bestandteil des Geschenks selbst und als Teil seiner Formalität angesehen. Es war von größter Bedeutung, dass die Wahl des Designs dem Anlass angemessen war, für den das Geschenk ausgewählt wurde. Der Reichtum an Dekorationen bezeugte den Wohlstand und den Geschmack der Geber.

Verschiedene Themen und Motive waren gebräuchlich. Naturmotive oder besonders glückverheißende Kombinationen wie die 'Drei Freunde des Winters' – eine Kombination aus Kiefer, Pflaumenblüte und Bambus – symbolisierten Beständigkeit und Integrität.

Antikes Fukusa

Mandarinenkraniche (tsuru) und Schildkröten mit einem nachlaufenden Algenschwanz (minogame) repräsentierten Langlebigkeit und Glück. Japanischer Rotbarsch (Tai) galt als glückverheißend, da 'tai' auch ein Teil des Wortes 'medetai' ist, das Glück bedeutet. Darum wurden auch sie als Motiv auf Fukusa verwendet.

Antikes Fukusa mit Kamebusa

Legenden wie beispielsweise das Märchen von 'Genji und Noh' (aristokratische Kultur), Bambusvorhänge, Wandschirme, Bücher, kaiserliche Karren, Fächer und andere Gegenstände, die an die Heian 平安時代-Periode (794 bis 1185) erinnern, wurden als verheißungsvolle Designs in der Edo 江戸時代-Periode (1603 bis 1867) verwendet. Auch Spiele wie Hütchen- und Karten-Matching-Spiele (kai-awase) wurden auf Fukusa präsentiert.

Als kulturelle Referenz wurden auch Volksmärchen und mythologische Szenen wie 'Urashima Tarō' und die Geschichte von 'Takasago' verwendet, um Fukusa sowie lokale Gottheiten zu schmücken, zum Beispiel die Shichifukujin (eine vielseitige Gruppe von sieben Gottheiten) aus Japan, Indien und China.

Seit der Einführung der chinesischen Kultur in Japan während der Asuka 飛鳥時代 (538 bis 710) und Nara 奈良時代 (710 bis 794) Periode, wurden auf Fukusa auch Drachen- und Phönixmotive verwendet, die ebenfalls als glückverheißend gelten. Aber auch konfuzianische und taoistische Motive, wie die Sieben Weisen des Bambushains (eine Gruppe chinesischer taoistischer Philosophen), die sich in einem Bambushain zum Reden und Trinken versammelten, wurden auf Fukusa gezeigt.

TRADITIONELLE FARBEN DER FUKUSA

Farben für Fukusa wurden je nach Anlass, Geschlecht oder Alter ausgewählt.

Kake Fukusa waren die farbenfrohsten, während Kinpū Fukusa und Tsukai Fukusa auf einige wenige Farben beschränkt waren. Bei der Verwendung von Kinpū Fukusa war es üblich, rote Tücher für Glückwünsche zu verwenden, wobei verschiedene Rottöne wie Shu-Iro (Reichsrot) oder ein dunkles Rot möglich waren. Für traurige Anlässe war es üblich, Grün, Indigoblau oder Grau zu verwenden. Normalerweise hat ein Kinpū Fukusa auf jeder Seite eine andere Farbe, damit es sowohl für Glückwünsche als auch für Beileidsbekundungen verwendet werden kann. Die Grundfarben für Tsukai Fukusa sind Lila für Männer, Rot und Orange für Frauen, und Gelb für ältere Menschen.

Unterschiedlich farbene Tsukai Fukusa für die japanische Teezeremonie.

TRADITIONELLE FORMATE UND GRÖSSEN DER FUKUSA

In früheren Zeiten gab es für Fukusa keine vorgeschriebenen Größen. Um 1955 wurde auf Fukusa eine Verbrauchssteuer erhoben, die endgültig die Größenbezeichnung regelte. Ein Gou (号) basierte auf der Kujira-Shaku-Skala, einer Längeneinheit, die Mitte der Edo-Zeit (um 1700) geschaffen wurde. Ein Shaku ist 37,8 cm lang und wird zum Messen von Kimonostoffen verwendet.

Format und Größe von Fukusa unterscheiden sich je nach Anlass und Art des verwendeten Fukusa. Im Allgemeinen können sie entlang einer Seite zwischen etwa 12 cm und etwa 90 cm lang sein.

Kake Fukusa sind ungefähr quadratisch, aber nicht exakt. Eine Seite kann zwischen 20 cm und 90 cm betragen. Die beiden am häufigsten verwendeten Größen sind 6 Gou (ca. 21 cm x 23 cm) und 8 Gou (ca. 30 cm x 33 cm). Andere gängige Größen sind 9 Gou (ca. 32 cm x 34 cm) und 10 Gou (ca. 38 cm x 42 cm).

Kinpu Fukusa in Umschlagform sind kleiner und messen etwa 13 cm x 21 cm.

Fukusa, die während der Teezeremonie (Tsukai Fukusa) verwendet werden, sind ebenfalls nur ungefähr quadratisch. Die gebräuchlichste Größe für solche Stoffe ist 27,5 cm x 28,5 cm (10,8'' x 11,2'').

FUKUSA FÜR DIE TEEZEREMONIE

Die Kanji für Fukusa (袱紗) ändern sich zu (帛紗), wenn sie für die Teezeremonie (chanoyu) verwendet werden. Während der Teezeremonie verwendet der Gastgeber verschiedene Arten von Fukusa.

Japanische Teezeremonie

Tsukai Fukusa

Ein Tsukai Fukusa (使い帛紗) wird verwendet, um die Teelöffel (Chashaku) und Teebehälter, welche die Teeblätter (Natsume, Chaire) enthalten, rituell zu reinigen.

Die Tücher werden nach Dicke und Gewicht des Tuches in verschiedene Kategorien geteilt: Specialty (特優 Tokuyu, 40g), Finest (極上 Gokujo, 35g), Pure (真 Shin, 30g), Standard (行 Gyo, 20 g).

Tsukai Fukusa

Dashi Fukusa

Dashi Fukusa (出し帛紗) werden während der Teezeremonie verwendet, um darauf die Utensilien und die Teetasse abzulegen. Sie werden zudem als eine Art Tablett genutzt, mit dem die Teetasse vom Gastgeber serviert wird. Das Dashi Fukusa kann anschließend vom Gast selbst zum Ablegen der Tasse genutzt werden. Dieser hat dadurch die Möglichkeit, sich während der Zeremonie einige Momente zur Würdigung des Matcha (dunkelgrünen Tees) zu nehmen, während dieser betrachtet wird. Gastgeber und Gast nehmen die Schüssel und das Dashi Fukusa und kehren zu ihren Plätzen zurück, um den Tee zu genießen.

Gastgeber und Gast nehmen die Schüssel und das Dashi Fukusa und kehren zu ihren Plätzen zurück, um den Tee zu genießen.

Kobukusa

Ein Kobukusa (古帛紗) wird genauso verwendet wie ein Dashi Fukusa, ist aber kleiner.

Kobukusa für die Tee Zeremonie

FUKUSA FÜR GESCHENKGABEN

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Fukusa für die Gabe von Geschenken – Kake Fukusa (掛け袱紗) und Kinpū Fukusa (金風袱紗). Obwohl heutzutage kaum noch im allgemeinen Gebrauch als Abdeckungen für lackierte Tabletts (Kake Fukusa) zu sehen, werden die Stofftücher noch immer zum Verpacken von Geldgeschenken (Kinpū Fukusa) verwendet, um Respekt und Empathie für die Empfänger zu zeigen, um Freude und Trauer zu teilen, und um zu verhindern, dass der Kinpū (金封, Zierumschlag für Geldgeschenke) beschädigt wird.

Kake Fukusa

Kake Fukusa (掛け袱紗) werden über einem schwarz lackierten Tablett (oder einer Box) drapiert. Einige Fukusa haben schildkrötenförmige Quasten an allen vier Ecken. Kake Fukusa sind ungefähr quadratisch, aber nicht genau.

Kinpū Fukusa

Kinpū Fukusa (金風袱紗) sind in der japanischen Kultur vorherrschend. Ein Kinpū Fukusa ist ein Geschenktuch, das verwendet wird, um einen Kinpū (Umschlag für Geldgeschenke), beispielsweise bei einer Hochzeit oder einer Beerdigung, zu verpacken. Sie kommen in verschiedenen Formen und Arten vor.

Fukurojo-no-Fukusa (袋状の袱紗, taschen- oder etuiartige Fukusa)

Die meisten modernen Fukusa haben die Form einer Tasche oder eines Etuis. Drei Seiten des Fukusa werden hier zusammengenäht, um eine Tasche zu formen. Auf diese Weise ist es möglich, den Kinpū einfach hineinzuschieben, um ihn vor Beschädigungen zu schützen. Diese Fukusa sind etwa 13 cm x 21 cm groß und können auch verwendet werden, um Bankkarten oder Sparbücher darin zu verstauen.

Fukurojo-no-Fukusa (袋状の袱紗) - taschen- oder etuiartiges Fukusa

Furoshikiartige Fukusa (風呂敷袱紗, einlagiges furoshikiartiges Fukusa)

Es gibt auch einlagige Geschenktücher, die die Schenkenden selbst falten. Sie werden furoshikiartige Fukusa (風呂敷袱紗) genannt und gelten als formeller, da die Entblößung eines solchen Fukusa zeremoniell gefeiert wird.

Tsume-tsuki Fukusa (爪付き袱紗, einlagiges furoshikiartiges Fukusa)

Das Tsume-tsuki Fukusa (爪付き袱紗) ist im Grunde dasselbe wie das oben beschriebene furoshikiartige Fukusa, hat aber einen daran befestigten Verschluss. So kann sich das Tuch nicht lösen, und der Umschlag kann nicht herausrutschen.

Tsume-tsuki Fukusa (爪付き袱紗) - furoshikiartiges Fukusa mit
            Verschluss

Awase Fukusa (袷袱紗, zweilagiges furoshikiartiges Fukusa)

Ein Awase Fukusa (袷袱紗) ist ebenfalls ein furoshikiartiges Fukusa. Der einzige Unterschied besteht darin, dass zwei Stoffstücke zusammengenäht werden. Wie bei Kimonos ist der Innenteil kürzer geschnitten und genäht als der Außenteil, sodass das Futter nicht sichtbar ist.

Dai-tsuki Fukusa (台付き袱紗, einlagiges furoshikiartiges Fukusa mit einem Brett)

Einige Fukusa werden auch mit einem Brett bestückt, das verwendet wird, um den Kinpū zu präsentieren, nachdem dieser während der Zeremonie ausgepackt wurde (die Zeremonie werden wir etwas weiter unten genauer erklären).

DAS GEBEN EINES GELDGESCHENKES

Für traditionelle Geldgeschenke bei zeremoniellen Anlässen wie beispielsweise einer Hochzeit werden zwei Dinge benötigt - ein Kinpū (Umschlag für Geldgeschenke) und ein Fukusa, um den Umschlag darin zu verpacken. Da es als unhöflich gilt, unverpackte Geschenke zu überreichen, hat jede Art von Umschlag eine andere symbolische Eigenschaft und unterscheidet sich für verschiedene Anlässe, und es gibt neben den diversen Fukusa auch verschiedene Arten an Kinpū zur Auswahl.

Shugi-bukuro

Ein Shugi-bukuro (祝儀袋) ist ein besonderer Umschlag für fröhliche Geldgeschenke, der bei Hochzeiten, Geburten, dem Einzug in ein neues Zuhause oder für Spenden an einen Schrein übergeben werden kann. Ihm wird ein weiterer Umschlag (Nakabukuro) beigefügt, der das Geld enthält. Shugi-bukuro und Nakabukuro werden aus Washi (和紙, gebleichtes traditionell japanisches Papier) gefertigt, um das Herz des Gebers widerzuspiegeln und Reinheit, Heiligkeit und richtiges Verhalten darzustellen.

Kinpū - Shugi-bukuro

Der Name des Gebers sowie der Geldbetrag werden auf den Nakabukuro geschrieben. Dann wird das Geld in diesen inneren Umschlag gesteckt, der mit dem Shugi-bukuro verschlossen wird. Shugi-bukuro werden mit einem Noshi (熨斗, origamiähnliche Dekoration) und einem Mizuhiki (水引, dekorative Kordel, ähnlich der westlichen Verwendung von Bändern oder Schleifen, die um ein Geschenk gebunden werden) geschmückt. Für fröhliche Feierlichkeiten verwenden Japaner rot-weiße Mizuhiki.

Shūgi-bukuro wurden traditionell von der schenkenden Person von Hand gefertigt und normalerweise einer japanischen Geisha (芸者), die in Kyoto und Kanazawa auch als Geiko (芸子) oder Geigi (芸妓) bekannt ist, überreicht. Geisha sind Künstlerinnen und Entertainerinnen, die eine oft wohlhabende Klientel auf Partys (Ozashiki) oder auf der Bühne und bei Festivals unterhalten. Sie wurden in traditionellen japanischen Künsten wie Tanz, Musik und Gesang ausgebildet, sind kompetente Gesprächspartner und hervorragende Gastgeber. Abgesehen von der Tradition des Geldgebens sind diese Praktiken inzwischen jedoch weitgehend aus der Mode gekommen.

Bushugi-bukuro oder Koden-bukuro

Bushūgi (不祝儀) oder Fushūgi (ぶしゅうぎ, ふしゅうぎ) bedeuten Unglück, Kummer, Katastrophe, Unfall oder Tod. Die Buchstaben für Bushūgi lassen sich wie folgt übersetzen: 不 steht für negativ, schlecht, hässlich, ungeschickt, 祝 steht für feiern oder gratulieren, und 儀 kann als Zeremonie, Regel, Affäre, Fall oder Angelegenheit interpretiert werden.

Kinpū - Bushugi-bukuro

Kouden (香典) oder Okouden (お香典) sind Geldgeschenke zur Beileidsbekundung. Daher werden Trauerbriefe bei einer Beerdigung als Bushugi-bukuro (auch Fushugi-bukuro) oder Koden-bukuro (oder auch Okoden-bukuro) bezeichnet.

Wie bei Shugi-bukuro wird das Geldgeschenk in einem reinweißen Washi-Umschlag (Nakabukuro) im Bushugi-bukuro aufbewahrt. Der Umschlag wird dann meist mit einer schwarz-weißen oder weißen Mizuhiki-Kordel, die nach oben zeigt (je nach Religionszugehörigkeit oder Konfession), befestigt. Einige Religionen oder Konfessionen erlauben sogar die Verwendung von Mustern wie Lotusblumen oder Lilien.

Otoshidama-bukuro oder Pochi-bukuro

Otoshidama-bukuro (お年玉袋) sind dekorative Papierumschläge für Otoshidama, Neujahrsgeldgeschenke. Otoshidama-bukuro werden auch Pochi-bukuro genannt, wenn es sich um kleinere Umschläge handelt, meist für Kinder. Seit geraumer Zeit hat sich die Auswahl an Größen für diese Umschläge diversifiziert, wobei größere für halb gefaltete Geldscheine entwickelt wurden (anstatt sie ordnungsgemäß in Drittel zu falten), sowie kleinere, die zum Aufbewahren von Münzen bestimmt sind.

Pochi bedeutet Trinkgeld oder Geldgeschenk im Kansai-Dialekt und signalisierte ursprünglich eine Haltung der Demut. Die beiden Kanji-Zeichen für "pochibukuro" (点袋) stehen für die Wörter Punkt (klein) sowie Tasche, Beutel oder Sack. Es gibt verschiedene Theorien über den Ursprung von Pochi-bukuro. Eine dieser Theorien besagt, dass Geishas in der Kansai-Region Trinkgelder oder Geldgeschenke "Pochi" nannten; der Name Pochi-bukuro wäre also eine bescheidene Art, einen Umschlag zu beschreiben, der einen kleinen Geldbetrag enthielt.

Diese Umschläge können mit unendlich vielen Designs verziert und dabei von Hand gemalt oder im Siebdruck oder mit Holzstöcken bedruckt werden. Beliebte Motive sind Komongara (sich wiederholende Muster kleiner traditioneller Symbole), Kisshomonyo (Motive, die auf glückverheißenden Omen basieren), Fubutsushi (typische Landschaften zu einer bestimmten Jahreszeit) und die Jahreszeiten im Allgemeinen. Die Designs können auch ziemlich witzig und humorvoll sein.

Die Umschläge können neben Geld auch auf verschiedene andere Arten verwendet werden, beispielsweise um lose Gegenstände zu organisieren.

Noshi

Noshi (熨斗) sind zeremonielle Origami, die als Dekoration an einem Geschenk befestigt werden und dazu dienen, Glückwünsche an den Beschenkten auszudrücken. Sie signalisieren Langlebigkeit aufgrund des Homophons des Wortes Noshi (伸し), was "Abflachen" und "Ausdehnen" bedeutet.

Noshi (熨斗) - Zeremonielles Origami

Noshi werden aus weißem Washi gefaltet (sie unterscheiden sich jedoch von Origami-tsuki) und dann in ein farbiges Papier gewickelt, wodurch eine lange sechseckige Form gebildet wird. In dieses Kunstwerk wird dann noch ein schmaler Streifen aus getrocknetem Fleisch oder Abalone (Seeohr) eingearbeitet, da diese als glückverheißende Nahrung gelten, die das Leben verlängert. Sie werden in Japan bereits seit der Antike als heilige Nahrung für Shinto-Götter gepriesen.

Mizuhiki

Mizuhiki (水引) ist eine alte japanische Kunstform, bei der eine Kordel, geformt aus Washi, mit Knoten (Musubi 結) versehen wird, um Geschenke und Umschläge zu dekorieren.

Mizuhiki (水引) - Dekoration für Geschenke und Briefumschläge

Knoten sind in Japan etwas ganz Besonderes, da sie die Beziehungen widerspiegeln, die miteinander verbunden sind. Das Wort für Ehe (kekko 結婚) setzt sich beispielsweise aus dem Kanji 'Musubi' für Knoten und dem Kanji für 'Beziehung' zusammen, und bedeutet, dass zwei Seelen miteinander verbunden sind. Es gibt viele Möglichkeiten, Mizuhiki zu knoten. Alle Knotenvariationen haben unterschiedliche Zwecke und eine tiefere kulturelle Bedeutung. Jeder Knoten passt zu den Bedürfnissen der jeweiligen sozialen Kontexte, in denen er verwendet wird, wie Hochzeiten, Geburten, Trauerfeiern und Krankenhausbesuche.

Die Kernbedeutung jedes Mizuhiki-Knotens ergibt sich jedoch daraus, wie leicht der Knoten gelöst werden kann. Es gibt zwei Hauptkategorien von Mizuhiki-Knoten:

Musubi-kiri oder Awabi Musubi

Die erste Kategorie sind Knoten namens Musubi-kiri (結び切り) oder Awabi Musubi (鮑結び). Sie sind schwer zu lösen, sobald sie vollständig gebunden sind. Ihre Form symbolisiert stabile Beziehungen und tiefe Beileidsgefühle sowie den Wunsch des Schenkenden nach einem einmaligen Ereignis. Sie werden daher gerne für Hochzeiten, Beerdigungen und Genesungswünsche verwendet – Anlässe, die sich nicht wiederholen sollen.

Cho-musubi

Der zweiten Kategorie gehören Knoten namens Cho-musubi (蝶結び, Schleifen-Stil) an. Diese Art von Knoten kann viele Male (neu) geknüpft werden und wird daher am häufigsten für festliche und freudige Ereignisse wie beispielsweise die Geburt eines Kindes, Aufnahme- oder Abschlussfeiern und Beförderungen (mit Ausnahme von Hochzeiten) verwendet, da sich diese Anlässe oft wiederholen sollten. Ein gutes Beispiel für einen Knoten dieser Kategorie ist ein Hana-Musubi (Blumenknoten).

Indem Schönheit und Bedeutung in die kleinen Details (verschiedene Knoten und Farben) gelegt werden, bietet Mizuhiki der schenkenden Person die Möglichkeit, das auszudrücken, was oft schwer in Worte zu fassen ist, und der beschenkten Person die Chance, das Geschenk selbst und die tieferen Gedanken, die darin stecken, zu schätzen. Das Binden beziehungsweise Knoten ist somit eine eigene Form der Kommunikation.

WIE MAN EIN FUKUSA FALTET

Obwohl das Geld im Grunde schon doppelt verpackt ist, gehört es zum guten Ton, den Umschlag mit einem Fukusa zu bedecken. Wird kein taschenartiges Fukusa verwendet, in das der Kinpū einfach nur hineingeschoben werden kann, sondern ein furoshikiartiges Fukusa genutzt, muss dieses wie folgt um den Kinpū gewickelt werden.

Fukusa & Furoshiki Technik - Wie man den Hira Tsutsumi faltet

Falls dem Fukusa ein Brett beiliegt, wird das Brett beim Verpacken unter den Umschlag gelegt.

Eine detaillierte Beschreibung sowie Video-Tutorials findest du in unserem Blog.

WIE MAN EIN FUKUSA GIBT – DIE GESCHENKZEREMONIE

Je nach Art des verwendeten Fukusa unterscheidet sich die zeremonielle Übergabe leicht.

Kake Fukusa

Die Geschenke (haptischer oder monetärer Art) werden auf ein lackiertes Tablett gelegt und mit einem Fukusa bedeckt. Nachdem die Geschenkverpackung vom Beschenkten bewundert wurde, wird das Tablett aufgedeckt, um das Präsent freizulegen. Wenn Quasten in den Ecken des Fukusa platziert sind, kann das Geschenktuch an einer der Quasten aufgehoben werden.

Kinpū Fukusa

Geldgeschenke werden, wie oben beschrieben, zunächst in einem inneren Umschlag (Nakabukuro) verpackt, danach in einem Kinpū, und dann in einem Fukusa. Das Fukusa wird dem Beschenkten im ersten Schritt vorgeführt. Danach wird der Kinpū aus dem Fukusa entfernt und dem Empfänger ebenso präsentiert. Dieser Vorgang unterscheidet sich je nach Art des Fukusa, das zum Verpacken des Umschlags verwendet wird.

Taschenartige Fukusa

Halte das taschen- oder etuiartige Fukusa so, dass es sich zu deiner Rechten öffnet. Entferne das Kinpū und lege es auf das Fukusa. Drehe das Ganze im Uhrzeigersinn, damit der Empfänger es lesen kann, während du es übergibst. Vergiss nicht, bei der Übergabe deine Glückwünsche zu bekunden.

Die Geschenkzeremonie eines taschenartigen Fukusa - Schritt 1 Die Geschenkzeremonie eines taschenartigen Fukusa - Schritt 2 Die Geschenkzeremonie eines taschenartigen Fukusa - Schritt 3

Bei Beileidsbekundungen halte das Fukusa so, dass es sich nach links öffnet, und nimm den Kinpū heraus. Lege den Kinpū auf das Fukusa und drehe es gegen den Uhrzeigersinn. Dann überreiche es dem Empfänger mit dem Text nach vorne. Spreche während der Übergabe deine Beileidsworte.

Furoshikiartige Fukusa

Halte das Fukusa so, dass es sich zu deiner Rechten öffnet, wobei die linke Hand es geschlossen hält und die rechte Hand die rechte Ecke greift. Wenn ein Verschluss daran befestigt ist, öffne zuerst den Verschluss. Öffne es dann mit der rechten Hand nach rechts. Entferne nach dem Öffnen den Kinpū mit der rechten Hand und lege es auf das Fukusa. Wenn das Fukusa mit einem Brett geliefert wird, lege den Umschlag auf das Brett. Dann falte das Fukusa mit der rechten Hand unter den Umschlag (oder das Brett). Drehe es um 180 Grad im Uhrzeigersinn, damit die Karte für die andere Partei lesbar ist. Übermittele deine Glückwünsche während der Übergabe. Bei manchen Zeremonien, bei denen ein Brett bei der Übergabe zugrunde liegt, wird das Furoshiki manchmal auch zur Seite gelegt, und der Kinpū wird auf dem Brett übergeben.

Die Geschenkzeremonie eines furoshikiartigen Fukusa - Schritt 1 Die Geschenkzeremonie eines furoshikiartigen Fukusa - Schritt 2

Halte das Fukusa bei Beileidsbekundungen so, dass es sich nach links öffnet, und öffne es danach nach links. Falte das Tuch darunter, halte es mit der linken Hand fest, lege den Umschlag darauf, und drehe es dann gegen den Uhrzeigersinn. Präsentiere es so, dass der Text dem Empfänger zugewandt ist. Spreche dein Beileid bei der Übergabe aus.

SCHLUSSWORTE

Wir lieben diese japanische Tradition. Da wir aber Papier sparen möchten, wo es geht, denken wir, dass es noch umweltfreundlicher ist, das Geldgeschenk direkt in ein Fukusa oder Furoshiki zu packen. Solltest du ganz an der japanischen Tradition festhalten wollen, empfehlen wir, auch den Kinpū und den Nakabukuro immer wiederzuverwenden. Schreibe einfach nichts darauf, damit sie für eine erneute Verwendung bereit sind. Da die Umschläge durch das Fukusa geschützt werden, sollten sie in einem guten Zustand bleiben und mehrfach verwendet werden können.